Bevor es losgehen kann: Wie werden Studien-Teilnehmer*innen gewonnen?

Im Projekt BiPeer wurde untersucht, wie die Förderung der Deutsch-Lese- bzw. Rechenkompetenz von mehrsprachigen Grundschulkindern durch Peer-Learning gelingen kann. Etwa 160 Schüler*innen in Hessen haben zu zweit im Team nach der regulären Unterrichtszeit in 12 Einheiten über einen Zeitraum von ca. 8 Wochen Lese- oder Rechenstrategien geübt. Doch bevor das Projekt richtig starten konnte, mussten Teilnehmer*innen gewonnen werden, was die Überzeugung vieler Akteure*innen – Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen – voraussetzt. Diese Aufgabe ist gar nicht so einfach, denn Lehrkräfte sind in der Regel mit dem Alltagsgeschäft bereits ausgelastet und folgen einem Lehrplan. Darüber hinaus ist das Thema Datenschutz insbesondere für Eltern ein sensibles Thema, das zwar strengen Auflagen unterliegt, aber dennoch zu Unsicherheit führen kann.

Um Schüler*innen für das Projekt zu gewinnen, mussten wir Schritt für Schritt vorgehen. Der erste Schritt war es, Schulen zu gewinnen. Dafür wurden Schulleitungen telefonisch kontaktiert. Das primäre Ziel der Telefonate war es, die Schulleitungen für unser Projekt zu begeistern. Wenn dies zutraf, wurden ihnen postalisch schriftliche Informationen zum Projekt sowie eine Einverständniserklärung übermittelt. So konnten sie sich in Ruhe eine Übersicht verschaffen und alle an der Schule tätigen Lehrkräfte informieren. Denn ein Projekt darf an Hessischen Schulen nur durchgeführt werden, wenn ein positiver Beschluss der Schulkonferenz vorliegt.

Einige Schulen nahmen zusätzlich unser Angebot an, persönlich vorbeizukommen. In diesen Fällen konnten wir uns als Mitarbeiter*innen sowie das Projekt vorstellen und auf die Fragen der Lehrkräfte eingehen. Dabei ging es häufig darum, wie Schüler*innen von einer Teilnahme profitieren können und wie das Projekt konkret abläuft. Außerdem hatten wir die Gelegenheit, über Datenschutz zu sprechen. Wir konnten ausführlicher erklären, wie die Daten anonymisiert werden, sodass individuelle Daten geschützt sind und Testergebnisse später nicht mehr den einzelnen Schüler*innen zugeordnet werden können. Die persönliche Vorstellung scheint ein wichtiges Angebot zu sein, denn alle Schulen, die wir besucht haben, entschieden sich für eine Teilnahme.

Sobald eine Zusage der Schulkonferenz vorlag, wurde uns eine Lehrkraft als Ansprechpartnerin zugeteilt. Mit ihr haben wir Raumabsprachen getroffen und die erste Kontaktaufnahme mit den Eltern koordiniert. Denn nun galt es, die Eltern für die Teilnahme zu gewinnen. Bei Teilnehmer*innen, die noch nicht volljährig sind, können Forschungsprojekte nur durchgeführt werden, wenn Eltern eine schriftliche Zusage geben. Darüber hinaus muss natürlich auch eine Freiwilligkeit auf Seiten der Schüler*innen garantiert werden. Dafür wurden in den Klassen Elternanschreiben an die Schüler*innen verteilt. Sie beinhalteten Projektinformationen, unsere Kontaktdaten zur Klärung weiterer Fragen sowie Einwilligungserklärungen, die ausgefüllt an uns zurückgeschickt wurden. Erst wenn die schriftliche Zusage der Eltern vorlag, wurden diese Schüler*innen in das Projekt aufgenommen.

Es sind also viele Schritte zu gehen und Forscher*innen müssen unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Unsicherheiten berücksichtigen, um Teilnehmer*innen für ein Forschungsprojekt zu gewinnen. Insbesondere erfordert es die Information und Zusage aller Beteiligten, damit ein Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann.

Valentina Reitenbach

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